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Branchenbericht im Herbst/Winter 2017

Kerzenverbrauch erneut auf Rekordhoch, Rendite der Hersteller weiter unter Druck

Die Freude der Verbraucher am warmen, behaglichen Schein einer Kerze ist ungebrochen und übertrifft mit einem Gesamtverbrauch von mehr als 740.000 Tonnen zum fünften Mal in Folge den Vorjahresverbrauch.

Statistisch gesehen hat damit jeder EU-Bürger vom Säugling bis zum Greis 1,45 kg Kerzen gekauft. Besonders erfreulich ist, dass die Kerzenhersteller die heimische Produktion weiter ausbauen konnten und neun von zehn Kerzen aus europäischer Herstellung stammen. Es wird erwartet, dass dieses hohe Niveau auch im laufenden Jahr gehalten werden kann. Der Markt für LED-Imitate scheint dagegen den Zenit erreicht zu haben und hat im laufenden Jahr erneut stagniert. Diese Produkte kommen vorwiegend dort zum Einsatz, wo Kerzen aufgrund der offenen Flamme ein zu großes Risiko wären, also beispielsweise in Kindergärten oder Altenheimen.

Diesen positiven Entwicklungen zum Trotz sehen sich viele europäische Kerzenhersteller gewaltigen Herausforderungen gegenüber. Der zuvor schon hohe Preisdruck auf die Hersteller ist noch stärker geworden und hat die ersten in die Insolvenz getrieben. Anderen traditionsreichen Herstellern blieb nur die Wahl, die kostenintensive Produktion in Westeuropa einzustellen. Sollten sich die Renditen in den kommenden Jahren nicht nachhaltig verbessern – wofür es derzeit leider keine Anzeichen gibt – sind weitere Produktionsschließungen und eine Konsolidierung der Branche unausweichlich. Der weiteren Entwicklung in den folgenden Bereichen kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: 

Konkurrenz durch Billigimporte

Für einen Zeitraum von knapp sieben Jahren war die europäische Kerzenindustrie durch Antidumpingzölle vor Billigimporten aus China geschützt, die sie zuvor an den Rand des Zusammenbruchs gebracht hatten. Diese Verschnaufpause haben die Hersteller dazu genutzt ihre Anlagen zu modernisieren, um möglichst effizient produzieren zu können. Ein sprunghafter Wiederanstieg chinesischer Billigimporte ist seit Abschaffung der Antidumpingzölle vor etwa zwei Jahren zwar bislang ausgeblieben, aber dafür drängen Importe aus anderen Billiglohnländern auf den europäischen Markt. Die Qualität lässt sich mit europäischer Ware nicht vergleichen, und auch die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen muss in vielen Fällen angezweifelt werden. Es steht aber zu befürchten, dass sich enttäuschte Verbraucher, die an ein solch schlechtes Produkt geraten sind, generell von Kerzen abwenden anstatt Qualitätskerzen aus heimischer Produktion zu kaufen.
Schwankende Rohstoffversorgung und -preise

Paraffin ist nach wie vor der am meisten verwendete Rohstoff für die Kerzenherstellung. In den letzten Jahren sind große Teile der Produktionskapazitäten in Europa weggefallen und die Kerzenhersteller sind mittlerweile zwingend auf Importe angewiesen. Die Folgen sind oft extreme Preissprünge und eine ungewisse Versorgungslage, die Kerzenhersteller benötigen aber ein möglichst stabiles Preisniveau für ihre Rohstoffe. 

Im laufenden Jahr waren die Paraffinpreise erfreulicherweise recht stabil und auch die Versorgungslage war ausreichend. Doch dafür bewegten sich die Preise für Fette weiterhin auf einem sehr hohen Niveau und die für Stearin sind seit Jahresbeginn sprunghaft angestiegen. Die zertifizierte Nachhaltigkeit wird immer stärker nachgefragt, was die Kerzenhersteller ausdrücklich begrüßen, aber der Aufwand für die notwendigen Zertifizierungen ist beträchtlich und viele Kunden sind nicht bereit, die erheblichen Mehrkosten für die zertifizierten Rohstoffe zu tragen.

Immer strengere rechtliche Anforderungen

Die Einhaltung der stetig anspruchsvoller werdenden rechtlichen Anforderungen wird von den Herstellern sehr ernst genommen und gewissenhaft dokumentiert – aber der Aufwand ist gewaltig. Zudem gibt es immer wieder nationale Alleingänge von Mitgliedsstaaten, die die EU-weit geltenden Anforderungen mehr oder weniger stark abändern und so für zusätzlichen Aufwand sorgen. Die Europäische Kommission könnte diesem Wildwuchs, der insbesondere für europaweit tätige Unternehmen extrem störend ist, leicht Einhalt gebieten, indem sie die bereits vor mehr als zwei Jahren zusammen mit den Mitgliedsstaaten und der Kerzenindustrie entwickelten Sicherheitsanforderungen endlich veröffentlichen würde. Die rechtlichen Anforderungen würden dadurch zwar noch strenger werden, aber eine europaweit einheitliche Auslegung der Produktsicherheit und eine konsequente Fortführung der Normierung werden von den Kerzenherstellern definitiv begrüßt.

Steigende Kundenanforderungen

In den letzten Jahren hat sich der Handel konzentriert, wodurch die Macht der Handelskonzerne noch stärker geworden ist. Das schlägt sich einerseits in einem extremen Preisdruck nieder, der noch durch die zunehmende Verlagerung des Kerzenhandels weg von Einzelhändlern hin zu traditionell sehr preisbewussten Discountern verstärkt wird. Zudem werden Aufträge immer später erteilt und die Reaktionszeit wird dadurch verkürzt. Die notwendige Flexibilität kann nur durch eine vorausschauende und langfristige Lagerhaltung erreicht werden, wodurch Kosten und Risiken aber immer mehr auf den Hersteller übergehen und viel Kapital binden. 
Parallel dazu steigen aber die von Kunden geforderten und individuell oft sehr unterschiedlichen Verpflichtungen und Dokumentationen stetig an, beispielsweise für das Lieferkettenmanagement oder soziale Verantwortung, um nur zwei Bereiche zu nennen.

Aktuelle Trends

Die für Kerzen verfügbare Fläche bei den Händlern wird stetig kleiner und entsprechend weniger Auswahl finden Käufer im einzelnen Markt vor. Trotzdem wird das Sortiment der Kerzenhersteller immer breiter mit vielen unterschiedlichen Formen, Farben und Düften, denn die Händler möchten sich voneinander absetzen und bieten entsprechend unterschiedliche Produkte an. Für den größten Umsatz sorgen aber nach wie vor Klassiker, wie z.B. weiße Teelichte, Stumpenkerzen und gefüllte Gläser. 
Ist man dagegen auf der Suche nach großen und aufwändigen Kerzen mit ausgefallenem Design, die beispielsweise bei Gestecken oder Arrangements als zentraler Blickfang eingesetzt werden können, wird man oft bei Homedekoketten, Floristikläden oder Gartencentern fündig. Auch der Onlinehandel von Kerzen trägt zunehmend zur Erhaltung der kreativen Vielfalt bei.

Im Trend liegen in diesem Jahr weiterhin Teelichte und Maxilichte mit transparenten Kunststoffhüllen, die den Blick auf die Flamme freigeben. Ebenfalls stark sind durchgefärbte Stumpenkerzen mit rustikaler Oberflächenstruktur sowie Gläserkerzen in allen Formen und Farben. 
Duftkerzen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, wobei es aber hier regional sehr starke Unterschiede gibt. Der Trend geht hin zu Kerzen mit einem hohen Duftanteil und extravaganten Düften, am liebsten in einem dekorativen Glas. 

Verbraucher haben Qualität selbst in der Hand

Bei allem Preisdruck und den vielen Herausforderungen ist unseren Mitgliedern sehr daran gelegen, auch weiterhin die gewohnt hohe Qualität zu liefern. Nur wenn die Verbraucher mit dem Produkt zufrieden sind, wird der Kerzenverbrauch nachhaltig wachsen. Dass sich hohe Qualität langfristig durchsetzen wird, haben Verbraucher aber zu einem großen Teil selbst in der Hand, was sie bei vielen anderen Produkten bereits bewiesen haben. Der Preis sollte nicht immer das alles entscheidende Kriterium beim Kauf sein, insbesondere bei einem so preiswerten Produkt, wie es Kerzen ohnehin sind. Vielmehr sollte auf ein schönes Erscheinungsbild und eine gute Verarbeitung geachtet werden. Und falls eine Kerze beim Brennen doch einmal hinter den Erwartungen zurück bleiben sollte, gibt es genügend Alternativen zu kaufen, die überzeugen werden.

Wenn Verbraucher bereits beim Kauf sichergehen möchten, dass sie eine qualitativ hochwertige Kerze kaufen, sollten sie auf das RAL Gütezeichen Kerzen achten. Es steht für höchste Qualität bei den Rohstoffen und dem Abbrandverhalten der Kerzen und findet auch über Mitteleuropa hinaus immer mehr Beachtung bei Händlern und vor allem Verbrauchern.

RAL Gütezeichen Kerzen

Pdf-Download des Branchenberichts


European Candle Association ASBL

Stuttgart, Dezember 2017